Das Lomography Joseph Petzval 55mm f/1.7 II ist kein Objektiv für klinisch saubere Testcharts. Es ist ein bewusst eigenwilliges Kreativobjektiv mit Swirly-Bokeh, starker Bildwirkung und klaren Einschränkungen. Die neue focus-coupled Version macht den speziellen Petzval-Look nun deutlich alltagstauglicher – vor allem für Video und manuelles Arbeiten.
Fokusgekoppelte Bokeh-Kontrolle als wichtigste Neuerung
Der spannendste Punkt ist nicht die Lichtstärke von f/1.7, sondern die überarbeitete Bedienung. Laut Lomography lässt sich die Intensität des Bokehs über sieben Stufen regulieren, während die fokusgekoppelte Technik Fokusverschiebungen beim Verstellen des Bokeh-Rings minimieren soll. Dazu kommen ein 180-Grad-Fokusweg, ein Metallgehäuse und Follow-Focus-Kompatibilität – alles Punkte, die das Objektiv besonders für Videografen interessanter machen.

Fstoppers greift in seinem aktuellen Beitrag ein Review von Christopher Frost auf und betont genau diesen Praxisgewinn: Die neue Version verzichtet auf den auffälligen Gold-Look früherer Petzval-Objektive, wirkt dafür aber deutlich funktionaler. Der vordere Fokusring ist nun für Follow-Focus-Systeme vorbereitet, die Blende sitzt hinten, der Bokeh-Control-Ring in der Mitte.
Charakter statt Perfektion
Optisch bleibt das Petzval 55mm f/1.7 II ein Spezialist. Das unruhige, wirbelnde Bokeh, die gekrümmte Schärfeebene und die weichen Bildränder sind keine Fehler, sondern Teil des Konzepts. Für Porträts, Musikvideos, Editorials oder experimentelle Street-Fotografie kann genau das spannend sein
Wer dagegen ein scharfes 55mm für Produktfotos, Landschaften oder saubere Reproduktionen sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich. Fstoppers nennt starke Vignettierung bei Offenblende, sichtbare Flares und Kontrastverlust bei Gegenlicht sowie weichere Ergebnisse im Nahbereich als wichtige Einschränkungen. Abblenden verbessert die zentrale Schärfe, der typische Petzval-Charakter bleibt aber erhalten.
Interessant sind auch die beiliegenden Blendenplatten, mit denen sich das Bokeh in Formen wie Sterne verwandeln lässt. Diese reduzieren allerdings die effektive Lichtstärke und wirken laut Fstoppers am besten bei möglichst ruhiger Bokeh-Einstellung.
Erste Review-Einschätzung
Neben Fstoppers hat auch Phillip Reeve das Petzval 55mm f/1.7 Mark II besprochen. Dort wird unter anderem die gut gedämpfte manuelle Fokussierung erwähnt, aber auch kritisiert, dass der dünne, klicklose Blendenring leicht versehentlich verstellt werden kann. Außerdem verschiebt sich bei der dort getesteten Variante der Fokus beim Ändern der Bokeh-Stufe, was die neue focus-coupled Version in der Praxis gezielt verbessern soll.
Das neue Joseph Petzval 55mm f/1.7 II bleibt ein Nischenobjektiv mit sehr eigenem Charakter. Wer maximale technische Perfektion sucht, findet für das Geld zahlreiche schärfere Alternativen. Wer jedoch gezielt nach einem Werkzeug sucht, das Bildern einen unverwechselbaren Vintage-Look mit starkem Wiedererkennungswert verleiht, dürfte die überarbeitete focus-coupled Version deutlich angenehmer im Alltag nutzen können als ihre Vorgänger.
Passend dazu lohnt sich auch ein Blick in unseren Grundlagenartikel zu Effektobjektiven. Dort erklären wir, wie Looks wie Wirbel-Bokeh, Bubble-Bokeh und Soft-Focus technisch entstehen, warum solche Objektive bewusst von perfekter Abbildungsleistung abweichen und für welche Motive sie sich besonders eignen: Wie Effektobjektive funktionieren: Wirbel-Bokeh, Bubble-Look und Soft-Focus erklärt.
| Objektiv | Lomography Joseph Petzval 55mm f/1.7 Focus-coupled Bokeh Control Art Lens |
| Für wen? | Porträt, kreative Fotografie, Musikvideos, Fashion, Editorial, experimentelles Video, cineastische Looks mit Swirly-Bokeh |
| Sensorformat | Vollformat; auch an Crop-Sensor-Kameras nutzbar |
| Brennweite | 55 mm |
| KB-äquivalent | 55 mm an Vollformat; ca. 82,5 mm an APS-C |
| Lichtstärke | f/1.7 |
| Kleinste Blende | f/22 |
| Objektivtyp | Manuelles Art-Objektiv / Effektobjektiv mit Petzval-Optikdesign |
| Besonderer Look | Scharfe Bildmitte, weich auslaufende Ränder, charakteristisches Swirly-Bokeh, sanfte Flares und Vintage-Anmutung |
| Bokeh-Kontrolle | Fokusgekoppelte Bokeh-Kontrolle in sieben Stufen über stufenlosen Bokeh-Kontrollring |
| Fokus | Manuell |
| Fokusweg | 180° |
| Follow-Focus | Kompatibel mit Mod-0.8-Follow-Focus-Zubehör; einheitliche Gear-Position innerhalb der Serie |
| Blendensteuerung | Manuell, stufenlose Iris-Blende plus spezielle Drop-in-Blendenplatten |
| Blendenbereich | f/1.7 bis f/22 |
| Naheinstellgrenze | 0,7 m |
| Filtergewinde | 67 mm |
| Optisches Material | Mehrfach beschichtetes Glas |
| Gehäuse | Anodisiertes Aluminium |
| Autofokus | Nein |
| Bildstabilisierung | Nein |
| Elektronische Kontakte | Keine Angabe; praktisch als rein manuelles Objektiv einzuordnen |
| Mounts | Sony E, Nikon Z, Canon RF |
| Lieferumfang | Objektiv, Frontdeckel, Rückdeckel, Reinigungstuch, Objektivbeutel, fünf spezielle Drop-in-Blendenplatten, Fotobuch, Kurzanleitung |
| Preis | ab 499,00 Euro im Lomography-Shop |
| Kaufen bei | Lomography Shop |
via fstopper / Fotos: Lomography





