Die Ingenieure von 7Artisans rütteln an den Grenzen der Optik. Dieses Mal an der extremen Fischaugenperspektive. Mit ihrem neuen 6 mm Fisheye-Objektiv für spiegellose APSC-Kameras haben sie eine ansprechend designte Linse aus Metall geschaffen. Sie stellt Fotografierende vor Herausforderungen: Denn es ist alles andere als trivial, für diese lichtstarke Optik die geeigneten Motive zu finden.

Thorsten Naeser verbindet seit vielen Jahren Wissenschaft, Fotografie und Journalismus. Nach seinem Geografiestudium arbeitete er zehn Jahre als freier Wissenschaftsjournalist und Fotograf. Seit 2008 vermittelt er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der LMU München komplexe Themen der Laserforschung verständlich an ein breites Publikum. Darüber hinaus leitet er die Redaktion von photonworld, ist leitender Redakteur des Fotomagazins Fotopuls der Volkshochschule im Norden des Landkreises München und als Buchautor tätig.
220 Grad Bildwinkel: Was das 7Artisans 6mm f/2 besonders macht
Das neue 7Artisans Ultraweitwinkel-Objektiv hat mit seinen 6 mm Brennweite eines der umfassendsten Blickfelder, die man mit einer APSC-Kamera einfangen kann. Das Schöne daran: das gesamte Bild ist ausgefüllt mit dem Motiv, ohne störende schwarze Ränder an den Seiten. Ganze 220 Grad umfasst das Sehfeld.
Damit „schaut“ die Linse sogar nach „hinten“. Das macht das Fotografieren nicht einfacher. Man muss aufpassen, denn man hat schnell die eigenen Finger oder Füße im Bild und merkt es nicht unbedingt. Aber der extreme Bildausschnitt schafft die Möglichkeit, dramatische Perspektiven in Fotos zu komponieren.


Kreative Möglichkeiten von Astrofotografie bis Architektur
Der Trumpf der Ultraweitwinkel-Perspektive ist noch nicht alles, mit dem das Objektiv aufwartet. Auch mit der Lichtstärke geizt die knapp 420 Gramm schwere Optik nicht. Die offene Blende von f/2 verschafft viel Spielraum bei schwachen Lichtsituationen. Vor allem in der Astrofotografie bietet so ein Lichtfänger einen enormen Vorteil.
Dazu gesellt sich eine wunderbare Naheinstellgrenze von zehn Zentimetern. Damit ist man bei geschlossener Blende in der Lage, enorme Tiefenwirkungen in seinen Bildern zu erzielen. Von vorne bis hinten wird alles scharf abgebildet. Bei offener Blende dagegen und einer Fokussierung auf den Nahbereich, spielt man selbst bei diesem extremen Weitwinkelobjektiv mit Schärfe und Unschärfe. Das Bokeh, das dabei, etwa bei Nachtaufnahmen, entsteht, lässt sich sehen. Wenn wir schon beim Thema Scharfstellen sind: fokussiert wird übrigens rein manuell.

Wer gerne Landschaften fotografiert, der findet in dieser Linse ebenfalls kreative Stilmittel. In der Landschaftsfotografie wölbt sich der Horizont Fisheye-typisch sofort auffällig nach unten oder oben, selbst dann, wenn man die Kamera auch nur leicht kippt. Das schafft Dramatik in den Bildern und ist ein effektives Stilelement, das man allerdings nicht überstrapazieren sollte. Hält man die Kamera exakt waagrecht, dann kann man attraktive Panoramen von Landschaften aufnehmen.


An den Bildrändern findet man kaum Vignettierung. Auch Flares beim Fotografieren direkt gegen die Sonne, halten sich in Grenzen. Das zeigt, dass man auch in einem günstigen Preissegment für Objektive eine ordentliche Qualität für ambitionierte Fotografie abliefern kann.
Nun gilt es die Herausforderung zu meistern, geeignete Motive für so eine extreme Linse zu finden. Sehr gut kann man damit in Großstädten Architektur, wie etwa Hochhäuser einfangen. Schwenkt man die Kamera vor allem nach oben, gibt es im Großstadtdschungel unendlich viele Möglichkeiten, ursprünglich gerade Linien von Bauwerken zu wölben.
In der Naturfotografie empfiehlt es sich, mit dem Vorder- und Hintergrund zu arbeiten, um Dramatik zu erzielen. Auch bei großen Objekten, wie etwa Zügen oder technischen Einrichtungen kann man mit dem 7Artisan 6mm Fisheye spannende Perspektiven entdecken. Man muss nur nahe genug heran gehen an seine Motive. Damit erzeugt man starke Verzerrungen, es ergeben sich überraschende Anblicke bekannter Objekte.

Für wen lohnt sich das 7Artisans 6mm f/2 Fisheye?
Mit dem extravaganten 7Artisans 6mm gibt es ein preisgünstiges, wertig gebautes Ultraweitwinkel Fisheye-Objektiv auf dem Markt, das einige Ansprüche an seine Nutzer stellt. An diese Linse muss man sich gewöhnen und ihre eigenwilligen Abbildungseigenschaften verstehen. Dann kann man das Objektiv durchaus gewinnbringend einsetzen und unkonventionelle Kompositionen erschaffen.
| Objektiv | 7Artisans MF 6mm F2 Fisheye |
| Für wen? | Astrofotografie, Architektur, Landschaft, kreative Fisheye-Perspektiven, experimentelles Video |
| Sensorformat | APS-C; auch als MFT-Version erhältlich |
| Brennweite | 6 mm |
| KB-äquivalent | ca. 9 mm an APS-C |
| Lichtstärke | f/2 |
| Kleinste Blende | f/16 |
| Bildwinkel | 220° an APS-C; bei Micro Four Thirds ca. 180° |
| Objektivtyp | Diagonales Fisheye / Ultraweitwinkel-Festbrennweite |
| Fokus | Manuell |
| Blendensteuerung | Manuell über Blendenring |
| Naheinstellgrenze | 0,10 m |
| Optischer Aufbau | 10 Elemente in 8 Gruppen |
| Spezialgläser | 2 ED-Elemente und 2 HR-Elemente |
| Blendenlamellen | 9 |
| Autofokus | Nein |
| Bildstabilisierung | Nein |
| Elektronische Kontakte | Keine Angabe; praktisch als rein manuelles Objektiv einzuordnen |
| Gehäuse | Metallgehäuse |
| Abmessungen | ca. 69 × 76 mm |
| Gewicht | ca. 418 g |
| Mounts | Sony E, Fujifilm X, Canon RF / EOS-R, Nikon Z, Micro Four Thirds |
| Lieferumfang | Objektiv, Frontdeckel, Rückdeckel |
| Preis | ca. 199 bis 209 Euro, je nach Mount und Händler |
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Fotos: Thorsten Naeser







