Die Idee ist praktisch, die Umsetzung gelungen. Mit seinem ungewöhnlichen Brennweitenspektrum wirbelt das neue Laowa 4,5-10mm f/2.8 Fisheye-Zoom den Objektivmarkt in den extremen Brennweitenregionen des Ultraweitwinkels auf. Der kompakte Exot erweitert die Möglichkeiten für experimentierfreudige Fotografinnen und Fotografen. Hier verschafft eine einzige Linse unterschiedliche kreative Möglichkeiten im Ultraweitwinkelbereich.

Thorsten Naeser verbindet seit vielen Jahren Wissenschaft, Fotografie und Journalismus. Nach seinem Geografiestudium arbeitete er zehn Jahre als freier Wissenschaftsjournalist und Fotograf. Seit 2008 vermittelt er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der LMU München komplexe Themen der Laserforschung verständlich an ein breites Publikum. Darüber hinaus leitet er die Redaktion von photonworld, ist leitender Redakteur des Fotomagazins Fotopuls der Volkshochschule im Norden des Landkreises München und als Buchautor tätig.
Praktische Anwendung an der Hackerbrücke in München
Ein warmer Sommerabend an der Hackerbrücke in München. Die Menschen sitzen auf den Stahlstreben und genießen den Sonnenuntergang. Reisende haben es eilig und wollen einen Zug oder Bus erwischen. Neben dem urbanen Leben bietet der Ort eine abwechslungsreiche Architektur, von der historischen Brücke, über moderne Bürogebäude, bis hin zur einfallsreichen Architektur des Busbahnhofs.


Hier kann man das neue Laowa 4,5–10mm f/2.8 Fisheye Zoom getrost einmal in Richtung Himmel und Sonnenuntergang halten und damit einen Rundumblick aufnehmen. Das kann man auf zwei verschiedene Arten tun, ohne das Objektiv wechseln zu müssen. Und das ist tatsächlich ein wenig ungewöhnlich.
Denn das Fisheye-Zoom, das für APS-C und MFT Kameras gerechnet ist, bietet die Möglichkeit, sowohl bildfüllende Aufnahmen zu machen als auch kreisrunde mit entsprechenden schwarzen Rand. Anders formuliert: Während bei 4,5 mm spektakuläre kreisrunde Fisheye-Aufnahmen möglich sind, entstehen bei 10 mm formatfüllende Bilder mit Fisheye-Effekt. So ersetzt das Objektiv praktisch mehrere Festbrennweiten. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass bei 4,5 mm Brennweite ein Blickwinkel von 180 Grad abgedeckt wird, bei 10 mm 175 Grad.

Das knapp 340 Gramm schwere Objektiv ist, wie bei Laowa üblich, aus Metall gefertigt. Es ist ein manuelles Objektiv. Die Fokussierung läuft weich, die Blendenverstellung rastet präzise ein. Kleine Griffe an den Einstellrädern erleichtern das Einstellen von Schärfe und Blende. Elektronische Kommunikation mit der Kamera sucht man vergeblich, bei einem Fisheye mit riesiger Schärfentiefe fällt das im Einsatz jedoch kaum ins Gewicht.
Bildqualität und optische Leistung im Detail
Optisch hinterlässt das Zoom einen sehr guten Eindruck. Bereits bei Offenblende liefert es eine ziemlich gute Schärfe in der Bildmitte, abgeblendet verbessert sich die Leistung bis in die Randbereiche deutlich. Chromatische Aberrationen halten sich in Grenzen und der Kontrast fällt erfreulich hoch aus.
Lobend zu erwähnen ist zudem eine Naheinstellgrenze von 10 Zentimeter. Das erweitert das Motivspektrum enorm. Denn bei sehr geringen Aufnahmeabständen stellt sich der so genannte Bugeye-Look ein: Motive im Vordergrund erscheinen überproportional groß – ein stilistisches Mittel, das, wenn man es gezielt einsetzt, zu einem Hingucker werden kann und mit klassischen Weitwinkelobjektiven kaum erreichbar ist. Bei offener Blende kann man hier sogar Objekte freistellen.

Kleine Defizite weist die Linse auf, wenn man bei starkem Lichteinfall, offener Blende und 4,5 Millimeter Brennweite kreisrunde Bilder erzeugt. Dann sind die Übergänge von Kugelbild zu schwarzem Randbereich nicht abrupt. Es treten leichte optische Verzerrungen auf. Das ist nicht wirklich dramatisch, man kann es in der Postproduktion korrigieren.

Ein wenig vorsichtig muss man mit der Handhabung der Linse sein. Das sich weit nach vorne wölbende Frontglas ist sehr exponiert. Filter können nicht verwendet werden. Kratzer hat man sich da schnell eingefangen.

Seine Stärken spielt das Laowa-Fisheye dort aus, wo gewöhnliche Weitwinkelobjektive an ihre Grenzen stoßen: Action-Sport, Skateboarding, Architektur, Innenräume, Landschaften oder kreative Videoproduktionen profitieren vom extremen Bildwinkel. Meist erwischt man sich dabei, die Kamera nach oben zu halten und die Panoramafunktion damit vor allem in Richtung Himmel auszunutzen, etwa, wenn man Hochhäuser fotografiert oder im Wald nach geeigneten Motiven Ausschau hält.

Mit dem Laowa 4,5-10mm f/2.8 Fisheye Zoom gelingt dem chinesischen Objektivhersteller Venus Optics eine außergewöhnliche Linse. Die hat mit knapp 480 Euro ihren Preis. Die Kombination aus hochwertiger Verarbeitung, guter optischer Leistung und dem außergewöhnlichen Zoombereich macht das Objektiv zu einer attraktiven Alternative zu klassischen Fisheye-Festbrennweiten.


Denn mit der Flexibilität im Brennweitenbereich erleichtert es das Fotografieren. Man muss nicht mehr mehrere Objektive mitnehmen und kann mit einer einzigen Drehung am Objektiv einfach umstellen, zwischen der klassischen Kugelperspektive eines Fisheyes und der formatfüllenden Ultraweitwinkel-Ansicht.

Ein solches Objektiv ist ganz klar ein Spezialwerkzeug, das man vor allem dann einsetzt, wenn man sich fotografisch ein wenig austoben möchte. Die starken Verzeichnungen gerader Linien in den Bildern muss man mögen. Gleichzeitig sollte man diesen Effekt nicht überstrapazieren. Wer also ein Faible für außergewöhnliche Perspektiven hat und bereit ist, manuell zu arbeiten, der findet im Laowa 4,5-10mm f/2.8 Fisheye Zoom ein Objektiv mit hohem Spaßfaktor und guter Bildqualität. Es animiert, fotografisch zu experimentieren.

| Spezifikation | LAOWA 4,5-10mm f/2.8 CF Zoom Fisheye |
|---|---|
| Anschluss | APS-C, MFT (Micro Four Thirds) |
| Objektivtyp | Fisheye-Zoomobjektiv |
| Brennweite | 4,5-10 mm |
| Max. Lichtstärke | f/2.8 (konstant) |
| Bildwinkel | 175-180° |
| Naheinstellgrenze | 10 cm |
| Abbildungsmaßstab | 1:3,7 |
| Optischer Aufbau | 13 Elemente in 9 Gruppen |
| Blendenlamellen | 7 |
| Scharfeinstellung | manuell |
| Blendeneinstellung | manuell |
| Zoomfunktion | Parfokal |
| Abmessungen (Ø x Länge) | ca. 68,9 x 59,3 mm |
| Gewicht | ca. 338 g |
| Sensorformat | APS-C / MFT |
| Farbe | Schwarz |
| Kaufen bei Foto Brenner | Sony E / Fujfilm X / Canon RF / Nikon Z |
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Noch extremer in der Bildwirkung ist das 7Artisans 6mm f/2 Fisheye, das mit 220 Grad Bildwinkel eine ganz eigene kreative Herausforderung für experimentierfreudige Fotografen bietet.
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Fotos: Thorsten Naeser







