Jupiter zeigt sich von seiner unruhigen Seite: Eine neue, farbverstärkte Juno-Aufnahme der NASA macht sichtbar, wie dynamisch die Atmosphäre des größten Planeten unseres Sonnensystems ist – mit chaotischen Wolken, zyklonalen Stürmen und Strukturen, die sich innerhalb weniger Tage verändern.

Thorsten Naeser verbindet seit vielen Jahren Wissenschaft, Fotografie und Journalismus. Nach seinem Geografiestudium arbeitete er zehn Jahre als freier Wissenschaftsjournalist und Fotograf. Seit 2008 vermittelt er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der LMU München komplexe Themen der Laserforschung verständlich an ein breites Publikum. Darüber hinaus leitet er die Redaktion von photonworld, ist leitender Redakteur des Fotomagazins Fotopuls der Volkshochschule im Norden des Landkreises München und als Buchautor tätig.
Den Stürmen ganz nah
Auf dem größten Planeten unsers Sonnensystems geht es stürmisch zu. Gewaltige Mengen aus Helium und Wasserstoff bilden einen turbulenten Mix auf der Oberfläche des Jupiter. Diesem Geschehen ist die die Raumsonde Juno der amerikanischen Weltraumbehörde NASA bei ihrem 61. Vorbeiflug im Mai bis auf wenige 1000 Kilometer nahegekommen. Juno umkreist den Planeten seit 2016 auf 32 unterschiedlichen Bahnen. Die Raumsonde misst Gravitations- und Magnetfelder sowie Mikrowellenemissionen, um Wasservorkommen und Windbewegungen in den tiefen Atmosphärenschichten zu erkunden. Dabei hat sie jetzt diese farbeverstärkte Aufnahme der Nordhalbkugel des Planeten zur Erde gesendet.

Ganz so spektakulär sah das Bild in seinen Rohdaten nicht aus. Der Bildbearbeitungsexperte Gary Eason erstellte die finale Aufnahme anhand von Rohdaten des JunoCam-Instruments. Die Ansicht bietet einen detaillierten Blick auf chaotische Wolken und zyklonale Stürme in einem Gebiet, das die Astronomen als „Folded Filamentary Region“ bezeichnen. In diesen Regionen brechen die zonalen Jets, die die bekannten Streifenmuster in Jupiters Wolken erzeugen, zusammen, was zu turbulenten Mustern und Wolkenstrukturen führt, die sich im Laufe von nur wenigen Tagen rasant entwickeln.
JunoCam-Rohdaten selbst bearbeiten
Wer sich selbst an den Aufnahmen versuchen möchte, kann die Rohbilder der JunoCam direkt auf der offiziellen Mission-Juno-Webseite herunterladen. Dort stellt das Team unbearbeitete Bilddaten bereit und lädt dazu ein, eigene Versionen der Aufnahmen zu erstellen. Das reicht von einfachen Zuschnitten und Farbverstärkungen bis zu aufwendigeren Rekonstruktionen. Fertige Bearbeitungen können anschließend auch in die Community-Galerie hochgeladen werden.
Ganz wie klassische Kamera-RAWs lassen sich die JunoCam-Daten allerdings nicht behandeln. Sie werden nicht einfach in Lightroom geöffnet und entwickelt, sondern müssen je nach Datensatz zunächst zusammengesetzt und farblich aufbereitet werden. Für einfache Bearbeitungen eignen sich Programme wie Photoshop, Affinity Photo oder GIMP. Wer tiefer einsteigen möchte, kann auch Werkzeuge wie ImageJ/Fiji, PixInsight oder eigene Workflows mit Python, OpenCV und Astropy nutzen.
Bildnachweis: NASA/JPL-Caltech/SwRI/MSSS; Bildbearbeitung: Gary Eason © CC BY




