Die Ricoh GR IV begleitet mich inzwischen schon seit einiger Zeit bei Reportagen, auf der Straße und auf Reisen. Gerade in diesen fotografischen Bereichen zeigt sich schnell, ob eine Kamera im Alltag wirklich überzeugt oder ob sie nur auf dem Papier interessant wirkt. Nach vielen Einsätzen ist mein Eindruck recht klar: Die GR IV ist eine faszinierende Kamera mit einem sehr eigenen Charakter, aber eben auch mit einigen Punkten, die mich im praktischen Einsatz durchaus stören.
Was mir an der Ricoh GR IV besonders gut gefällt
Was mich an der Ricoh GR IV von Anfang an begeistert hat, ist ihre Kombination aus Bildqualität, Größe und Unauffälligkeit. Die Kamera ist so kompakt, dass ich sie problemlos immer dabeihaben kann. Genau das ist für Reportage, Street und Reise ein enormer Vorteil. Eine Kamera, die nicht auffällt und schnell griffbereit ist, macht es deutlich leichter, spontan auf Situationen zu reagieren.
Hinzu kommt die feste 28-mm-Brennweite, die mir sehr entgegenkommt. Sie zwingt mich zu einer bewussteren Bildgestaltung und passt hervorragend zu meiner Art zu arbeiten. Ich gehe gerne nah an Szenen heran und mag diese direkte, unmittelbare Bildwirkung.


Besonders wichtig ist für mich aber der Fixfokus beziehungsweise das Arbeiten mit voreingestellter Distanz. Natürlich lässt sich so etwas grundsätzlich auch mit anderen Kameras umsetzen. Bei der Ricoh GR IV ist diese Arbeitsweise jedoch nicht bloß irgendeine Zusatzfunktion, sondern fast schon Teil des eigentlichen Konzepts. Die Kamera lädt geradezu dazu ein, schnell, intuitiv und ohne ständiges Nachdenken über den Autofokus zu fotografieren. Wenn die Entfernung einmal sinnvoll gewählt ist, kann ich in vielen Situationen sofort auslösen und mich ganz auf den Moment, die Bewegung und den Bildaufbau konzentrieren. Gerade in der Straßen- und Reportagefotografie ist das für mich ein echter Gewinn, weil es die Kamera noch unmittelbarer und verlässlicher macht.

Auch die Bedienung gefällt mir insgesamt gut. Die Kamera ist schnell einsatzbereit, reduziert sich auf das Wesentliche und fühlt sich wie ein Werkzeug an, das wirklich zum Fotografieren gedacht ist und nicht für endlose Menüspielereien.

Was ich ebenfalls sehr schätze, ist der eingebaute ND-Filter. Das wirkt zunächst wie ein kleines Detail, ist in der Praxis für mich aber ausgesprochen nützlich. Gerade draußen bei hellem Licht hilft er mir dabei, auch mit offener Blende zu arbeiten, ohne sofort an technische Grenzen zu stoßen. Zusammen mit dem IBIS ermöglicht mir der ND-Filter längere Belichtungen als üblich aus der Hand. Das nutze ich immer wieder gern, um mit Bewegungsunschärfe oder anderen kreativen Effekten zu arbeiten. Solche Funktionen machen für mich oft den Unterschied zwischen einer Kamera, die viel kann, und einer Kamera, die sich im Alltag wirklich durchdacht anfühlt.


Was mich im Alltag stört
So gern ich mit der Ricoh GR IV arbeite, es gibt auch Dinge, die mich regelmäßig stören. Am deutlichsten vermisse ich einen integrierten Sucher oder wenigstens ein klappbares Display. Gerade in der Reportagefotografie gibt es viele Momente, in denen ich die Kamera lieber ans Auge nehmen oder aus tieferen und ungewöhnlicheren Perspektiven arbeiten würde. Das feste Display setzt hier klare Grenzen. Mir ist natürlich klar, dass solche Dinge auf kosten der Kompaktheit gehen würden. Trotzdem ist es halt ein Punkt der mich gelegentlich stört.
Zwar habe ich einen optischen Aufstecksucher montiert, doch dieser ist für mich nur ein Kompromiss. Er funktioniert grundsätzlich, ist aber längst nicht so präzise, wie ich es mir wünschen würde. Gerade bei nahen Motiven oder wenn der Bildausschnitt exakt sitzen soll, wird schnell deutlich, dass diese Lösung ihre Schwächen hat.
Am Ende bleibt für mich trotzdem ein positives Fazit. Die Ricoh GR IV ist keine perfekte Kamera, aber sie ist eine Kamera mit Charakter. Und manchmal ist genau das im fotografischen Alltag wichtiger als technische Vollständigkeit.
Wer die Ricoh GR IV nicht nur im allgemeinen Praxiseinsatz, sondern auch in einer konkreten Reportagesituation sehen möchte, findet ein passendes Beispiel in meinem Beitrag „Santa Muerte in Tepito: Eine Reportage mit Ricoh GR IV und Fujifilm X-E5“. Dort zeige ich, wie sich die Kamera in einem sensiblen dokumentarischen Umfeld bewährt und welche Rolle ihre Unauffälligkeit, Schnelligkeit und Arbeitsweise in der Praxis tatsächlich spielen.
Titelbild: Ricoh





