Adobes Creative Cloud bleibt für viele Fotografen und Bildbearbeiter der Standard. Trotzdem wächst die Unzufriedenheit: höhere Abo-Kosten, KI-Funktionen, Datenschutzdebatten und gereifte Alternativen sorgen dafür, dass sich viele Profis neu orientieren. Der Auslöser ist nicht ein einzelnes Problem, sondern die Summe aus Preis, Vertrauen und Workflow.
Das Foto-Abo ist weniger attraktiv geworden
Adobe hat das frühere Creative Cloud Fotografie-Abo mit 20 GB Cloud-Speicher zum 15. Januar 2025 für Neukunden eingestellt. Bestandskunden können es weiter nutzen, solange sie nicht kündigen. Für neue Nutzer rückt damit stärker das teurere 1-TB-Modell in den Vordergrund.
Für Fotografen ist das relevant, weil viele Lightroom Classic und Photoshop vor allem lokal nutzen. Ein Terabyte Cloud-Speicher klingt praktisch, ist aber nicht für jeden Workflow nötig. Wer seine RAW-Archive ohnehin auf NAS, externen SSDs oder im eigenen Backup-System organisiert, zahlt schnell für etwas mit, das im Alltag kaum genutzt wird.
Dazu kommt ein zweiter Kostenpunkt, der oft unterschätzt wird: generative KI. Viele Adobe-Funktionen in Photoshop, Lightroom, Illustrator und Firefly arbeiten mit Generative Credits. Diese Credits werden monatlich zugeteilt, verfallen beim Reset und können je nach Funktion oder Modell unterschiedlich schnell aufgebraucht sein. Gerade bei KI-Retusche, bei der mehrere Versuche normal sind, können sich Abo-Kosten und Credit-Verbrauch spürbar summieren.
Adobe hat hier zuletzt nachgebessert und zeigt in Photoshop nun vor der Generierung an, wie viele Credits eine Aktion voraussichtlich verbraucht. Das macht die Nutzung planbarer, ändert aber nichts daran, dass Nutzer neben dem eigentlichen Abo zunehmend auch Credit-Limits und mögliche Zusatzkosten im Blick behalten müssen. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel: Adobe zeigt KI-Credit-Kosten in Photoshop jetzt vor der Generierung an.
Vertrauen ist zum eigentlichen Problem geworden
2024 sorgte Adobe mit aktualisierten Nutzungsbedingungen für Kritik. Viele Kreative befürchteten, Adobe könne auf Inhalte zugreifen oder diese für KI-Training nutzen. Adobe stellte später klar, dass Nutzer ihre Inhalte behalten und Kundendaten nicht zum Training generativer KI verwendet werden sollen.
Trotzdem blieb bei vielen ein ungutes Gefühl. Für Fotografen geht es nicht nur um Softwarefunktionen, sondern um Kontrolle über eigene Bilder, Kundenaufträge und unveröffentlichte Projekte. Wenn ein Anbieter an dieser Stelle Vertrauen verliert, wird selbst ein technisch starkes Produkt angreifbar.
Gleichzeitig sind Alternativen deutlich erwachsener geworden. Capture One bleibt für Tethering und Farbworkflows interessant, DxO PhotoLab punktet mit Rauschminderung, ON1 Photo RAW bietet einen breiten Funktionsumfang ohne klassischen Adobe-Zwang. Besonders auffällig ist Affinity: Canva hat die neue Affinity-App Ende Oktober 2025 als kostenlose Kreativsoftware positioniert; KI-Funktionen sind optional an Canva gebunden.
Ganz reibungslos ist der Wechsel aber nicht. Lightroom-Kataloge, Presets, Tastenkürzel und jahrelange Gewohnheiten lassen sich nicht einfach kopieren. Wer beruflich unter Zeitdruck arbeitet, muss den Umstieg testen, bevor er Adobe kündigt.
Fstoppers kommt in aktuellen Einordnungen zu einem ähnlichen Punkt: Die Lücke zwischen Adobe und den Alternativen ist kleiner geworden, aber alte Workflows, Plug-ins und Muskelgedächtnis bleiben für viele der entscheidende Bremsklotz. Für Neueinsteiger wirken Affinity, Luminar, Capture One oder DxO heute deutlich realistischer als noch vor einigen Jahren.
Das merke ich auch persönlich als Buchautor: Während Adobe lange praktisch selbstverständlich war, kommen inzwischen wieder deutlich mehr Anfragen und Aufträge zu alternativen Bildbearbeitungsprogrammen. Besonders auffällig sind dabei Luminar Neo und DxO PhotoLab. Dass sich gerade ein Buch zu Luminar Neo sehr gut verkauft, ist für mich durchaus überraschend, zeigt aber auch, wie stark das Interesse an einfacheren oder abo-freieren Workflows geworden ist.
Für euch bedeutet das: Adobe ist nicht plötzlich schlecht. Aber es ist nicht mehr automatisch alternativlos. Wer hauptsächlich RAWs entwickelt, lokale Archive pflegt und keine tief integrierte Adobe-Kette braucht, sollte 2026 ernsthaft testen, ob ein anderer Workflow besser zum eigenen Arbeiten passt.
| Aspekt | Adobe Creative Cloud | Alternativen |
|---|---|---|
| Kostenmodell | Monatliches oder jährliches Abo | Je nach Software Einmalkauf, Abo oder kostenlose Nutzung möglich |
| Zusatzkosten | Neben dem Abo können KI-Credits und größere Cloud-Pakete relevant werden | Oft klarere Kostenstruktur, teilweise ohne Credit-System |
| KI-Funktionen | Stark integriert, aber häufig an Generative Credits gekoppelt | Je nach Programm unterschiedlich stark, teils lokaler oder einfacher umgesetzt |
| Cloud-Nutzung | Stärker mit Cloud-Speicher und Account-Verknüpfung verbunden | Viele Workflows funktionieren stärker lokal und ohne großes Cloud-Paket |
| RAW-Entwicklung | Lightroom bleibt sehr stark bei Organisation, Presets und Katalogen | DxO PhotoLab, Capture One und ON1 Photo RAW bieten leistungsfähige RAW-Workflows |
| Bildretusche | Photoshop ist weiterhin der Standard für komplexe Retusche und Composings | Affinity und Luminar Neo decken viele typische Aufgaben ab, aber nicht jeden Profi-Workflow |
| Umstieg | Bestehende Kataloge, Presets und Gewohnheiten binden viele Nutzer | Ein Wechsel ist möglich, braucht aber Testphase und Anpassung des Workflows |
| Interessant für | Profis mit etablierten Workflows, Teamarbeit und tiefem Photoshop-Einsatz | Fotografen, die Kosten, lokale Kontrolle und einfachere Workflows priorisieren |
via Docma





