Zwischen Schönheit und Tragik
Als Peter Beard nach Afrika kam, fand er sich selber in einem entweihten Paradies. So beschreibt der Reiseschriftsteller Paul Theroux die Situation in den frühen 1960er Jahren, als der US-amerikanische Fotograf seine Passion für den Kontinent entwickelte. Sie sollte ihn nicht mehr loslassen. In Afrika fand Peter Beard das zentrale Thema seines Lebens: Die Vernichtung der Natur durch die Menschen. Davon erzählt er mit aufwühlenden Fotos und persönlichen Erinnerungen in seinem Werk „The End of the Game“. Das hat der TASCHEN-Verlag jetzt in englischer Sprache neu aufgelegt.

Thorsten Naeser verbindet seit vielen Jahren Wissenschaft, Fotografie und Journalismus. Nach seinem Geografiestudium arbeitete er zehn Jahre als freier Wissenschaftsjournalist und Fotograf. Seit 2008 vermittelt er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der LMU München komplexe Themen der Laserforschung verständlich an ein breites Publikum. Darüber hinaus leitet er die Redaktion von photonworld, ist leitender Redakteur des Fotomagazins Fotopuls der Volkshochschule im Norden des Landkreises München und als Buchautor tätig.
Stolz posiert ein weißer Großwildjäger mit seinen afrikanischen Helfern vor einem toten Elefanten. Die Menschen triumphieren über das leblose Tier. Eine groteske Szene, die Peter Beard irgendwo in Afrika fotografierte. Sie versinnbildlicht schonungslos, welch destruktive Wirkung Homo Sapiens entfaltet, wenn man ihn von der Leine lässt.

August 1960. The spoils of game control—domestic stock-still taking precedence over wild game.
© The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio,
www.peterbeard.com
Ab der Mitte der 20. Jahrhunderts dokumentierte Peter Beard die dramatischen Veränderungen der Tierwelt Ostafrikas, insbesondere in den Nationalparks Kenias und Ugandas. Seine Fotografien von Elefanten, Nashörnern und Flusspferden zeigen keine unberührte Wildnis, sondern die Folgen menschlicher Eingriffe, der unbarmherzigen Ausrottung und ökologischer Sünden.

© The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio,
www.peterbeard.com
So kommt es, dass man in Beards Buch „The End of the Game“ eine Menge tote Tiere zu Gesicht bekommt. Als Kontrast dazu aber auch großformatige Bilder, die die wunderbare Natur Afrikas zeigen. Zudem bleiben die eindringlichen Portraits der Einheimischen in Erinnerung. Alles ist übrigens in Schwarz-Weiß fotografiert.

© The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio,
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Vom Naturforscher zur Kunstikone: Peter Beards Doppelleben
„The End of the Game“ zeigt nicht nur kontroverse Fotografien. Persönliche Erinnerungen, Zeichnungen und Collagen des Autors lassen das Werk zu einer Art Tagebuch werden. Beard erzählt nicht nur von der Ausbeutung der Natur, sondern auch von den Menschen, die das Land in Besitz nahmen. Es war eine Epoche, in der Afrika mit den Realitäten von Kolonialismus, Modernisierung und Umweltzerstörung konfrontiert wurde.

© The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio,
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Peter Beard lebte von 1938 bis 2020. Er führte augenscheinlich zwei Leben. Eines als Naturforscher und Dokumentar in der rauen Wildnis. Und eines als schillernde Persönlichkeit der New Yorker High Society und der Kunstszene mit Beziehungen zu Berühmtheiten, wie etwa Andy Warhol. Zudem fotografierte er für die Vogue als Modefotograf.
Kontroverse Bilder zwischen Kunst und Provokation
Beard fühlte sich in beiden Welten zu Hause. So verbindet er in dem Buch seine nüchtern-dokumentarische Sichtweise mit einer künstlerischen Bildsprache. „The End of the Game“ ist keine Schonkost und optisch oft nichts für zartbesaitete Gemüter. Manchmal wird der Tod geradezu provokant künstlerisch präsentiert, wie etwa auf einem Bild, das einen monströsen Teppich aus Zebrafellen mit drei kleinen Menschen zeigt. Solche Ansichten sind unbequem und wühlen auf. Beards Botschaft hat heute mehr denn je Relevanz. Denn das, was der Fotograf vor über einem halben Jahrhundert in seinen ersten Auswucherungen dokumentierte, erfährt heute im Rückgang der Biodiversität und dem Klimawandel die gnadenlose Fortsetzung.

© The Estate of Peter Beard, Courtesy Peter Beard Studio,
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„The End of the Game“ veranlasst zum Reflektieren. Das Werk schlägt eine Brücke zwischen Fotokunst, Reportage und Ökologie. Peter Beard wird hier zum Chronisten einer wichtigen Epoche in der Geschichte Afrikas. Er legt schonungslos offen, wie nahe Schönheit, Vergänglichkeit und Tragik beieinander liegen.
Buchinformationen

| Angabe | The End of the Game |
|---|---|
| Autor | Peter Beard |
| Titel | The End of the Game |
| Verlag | TASCHEN Verlag, Köln |
| Sprache | Englisch |
| ISBN | 978-3754402719 |
| Preis | EUR 80 |
| Kaufen bei | Taschen.com / Amazon.de |
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