Kaum ein Kamerahersteller kommt 2026 um Preiserhöhungen herum, sodass auch gebrauchte Gehäuse und Objektive spürbar teurer werden. Zwei Ursachen verstärken sich dabei gegenseitig: US-Zölle auf japanische Importe und eine globale Speicherchip-Krise, die durch den hohen Bedarf von KI-Rechenzentren an Arbeitsspeicher ausgelöst wurde.
US-Zölle treiben die Preise weltweit nach oben
Ausgangspunkt war Donald Trumps Liberation Day-Zollpaket im Frühjahr 2025. Seither zahlen japanische Hersteller wie Sony, Canon, Nikon, Fujifilm und Leica deutlich höhere Einfuhrzölle in den USA, aktuell rund 15 Prozent, nachdem ein neues US-Japan-Handelsabkommen den Satz festgelegt hat, wie unter anderem Digital Camera World berichtet. Selbst als der oberste US-Gerichtshof am 20. Februar 2026 die bisherigen IEEPA-Zölle kippte, verhängte die US-Regierung binnen weniger Stunden neue Zölle auf Basis eines anderen Gesetzes.
Weil die USA weiterhin der größte einzelne Kameramarkt der Welt sind, richten Hersteller ihre Preisstruktur oft global neu aus, statt für einen Markt eine Ausnahme zu machen. Laut Imaging Resource beziffert Canon die jährlichen Zollkosten allein für sich auf rund 41,3 Milliarden Yen, Fujifilm nennt für den gesamten Konzern etwa 6 Milliarden Yen pro Jahr, umgerechnet knapp 40,6 Millionen US-Dollar. In den USA sind die Auswirkungen bereits konkret sichtbar: Die Fujifilm GFX100 II kostet 800 Dollar mehr als beim Marktstart, die X100VI und die X-T5 je 200 Dollar mehr, die Sony RX100 VII 400 Dollar mehr und der Canon EOS R1 satte 500 Dollar mehr, wie Digital Camera World auflistet.
Speicherchip-Krise: der eigentlich größere Preistreiber
Eine zweite Entwicklung ist inzwischen fast noch gewichtiger als die Zölle: der weltweite Mangel an Speicherchips. Laut PhotoWorkout werden KI-Rechenzentren im Jahr 2026 rund 70 Prozent der weltweiten Speicherproduktion verschlingen; 2022 waren es noch 20 bis 30 Prozent. Google, Meta, Nvidia und OpenAI bauen derzeit Rechenzentren in einem Tempo, das NAND-Flash- und DRAM-Speicher in bislang ungekanntem Ausmaß bindet.
Die Preisfolgen sind drastisch: Laut Tom’s Hardware wird sich der Preis für DRAM bis Ende des dritten Quartals 2025 im Jahresvergleich um über 170 Prozent erhöhen. Für das dritte Quartal 2026 werden weitere 13 bis 18 Prozent Aufschlag je Quartal erwartet, bei NAND-Flash-Speicher sind es 10 bis 15 Prozent. Das trifft Kamerahersteller doppelt: Einerseits stecken in modernen Kameras selbst Speicherchips für die Bildverarbeitung und den Pufferspeicher, andererseits explodieren die Preise für Speicherkarten, die ihr als Zubehör separat kaufen müsst. Laut PhotoWorkout kostete eine SanDisk Extreme microSDXC mit 128 GB im Oktober 2025 noch rund 17 Dollar; inzwischen sind es fast 40 Dollar. Eine Samsung EVO Select microSD mit 512 GB stieg im Preis von rund 35 auf fast 70 Dollar.
Für die Hersteller selbst bedeutet das erhebliche Zusatzkosten: Laut Imaging Resource rechnet Fujifilm für 2026 allein durch höhere Speicherkosten mit einer Mehrbelastung von rund 25 Milliarden Yen gegenüber dem Vorjahr, was etwa 157 Millionen Dollar entspricht. Bei Canon sind es laut Imaging Resource sogar rund 69,4 Milliarden Yen (umgerechnet etwa 423,9 Millionen Dollar). Laut Marktanalysten ist frühestens 2027 mit einer Entspannung zu rechnen, manche Prognosen gehen jedoch von einer noch länger andauernden angespannten Lage aus.
Was das für Deutschland und Europa bedeutet
Auch hierzulande sind die Auswirkungen längst angekommen. Fujifilm erhöht zum 1. September 2026 die Preise ausgewählter Kameras in Deutschland um 100 bis 500 Euro, je nach Modell bis zu 11,1 Prozent, mit ausdrücklichem Verweis auf gestiegene Halbleiterpreise und Produktionskosten. Details dazu und welche Modelle konkret betroffen sind, hat das Photografix-Magazin in einem eigenen Artikel zur Fujifilm-Preiserhöhung in Europa zusammengefasst.
Laut foto-schuhmacher.de kommen zudem gestiegene Logistikkosten hinzu: Angespannte Seewege und höhere Schiffsversicherungen verteuern den Transport zwischen Asien und Europa zusätzlich – unabhängig von Zöllen oder Chippreisen. Die EU prüft zudem Gegenzölle auf die US-Handelspolitik. Sollten davon elektronische Bauteile betroffen sein, könnten auch aus den USA importierte Komponenten in Kameras und Zubehör teurer werden.
Auch gebrauchte Kameras werden teurer
Die steigenden Neupreise strahlen längst auf den Gebrauchtmarkt aus. Der MPB Used Camera Gear Price Index zeigt für den US-Markt einen Anstieg von 4,58 Prozent seit Februar 2025, bei gebrauchten Objektiven waren es zuletzt sogar 4,72 Prozent. Gebrauchte Fujifilm-Kameras sind über drei Jahre betrachtet um mehr als 15 Prozent teurer geworden, nicht zuletzt wegen des anhaltenden Hypes um die X100-Serie.
Wenn Neuware knapp wird, wie es zuletzt bei mehreren gefragten Fujifilm-Modellen der Fall war, nähern sich gebrauchte Preise dem Neupreis an oder übertreffen ihn sogar. Für euch kann das durchaus in beide Richtungen interessant sein. Wer eine gut erhaltene, gefragte Kamera oder ein Objektiv im Schrank liegen hat und ohnehin über einen Wechsel nachdenkt, bekommt aktuell teils überraschend gute Preise beim Verkauf, in Einzelfällen nahe am ursprünglichen Neupreis. Wer dagegen gebraucht kaufen will, sollte nicht mehr automatisch von einem großen Preisvorteil gegenüber Neuware ausgehen, gerade bei kompakten und viralen Modellen ist der Abstand inzwischen oft klein.
Für euch als Käufer heißt das in Summe: Wer eine Neuanschaffung ohnehin plant, sollte aktuell eher früher als später zuschlagen, insbesondere bei Speicherkarten ist mit weiter steigenden Preisen zu rechnen, so lange die KI-Nachfrage nach Speicherchips ungebremst bleibt.
Warum manche Marken wie Leica von hohen Preisen ohnehin schon lange unabhängig scheinen, erfahrt ihr in unserem Artikel dazu.
Foto: Chantel Lucas / Unsplash, CC0, via Wikimedia Commons






