Zwischen den Hügeln und Bergen rund um Măgura Codlei scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Während in vielen Teilen Europas moderne Landwirtschaft das Landschaftsbild prägt, begegnet man hier noch einer Arbeitsweise, die andernorts längst verschwunden ist. Während meines Aufenthalts in den rumänischen Karpaten hatte ich die Gelegenheit, einige Bergbauern bei ihrer täglichen Arbeit zu begleiten.
Schon am frühen Morgen waren die ersten Ochsenkarren auf den Feldwegen unterwegs. Die Wagen bestehen größtenteils aus Holz und werden bis heute für Transportarbeiten genutzt. Nicht als Touristenattraktion, sondern als ganz normales Arbeitsgerät.
Heuernte wie vor Jahrzehnten
Besonders beeindruckend war die Heuernte. Viele Wiesen werden noch immer von Hand gemäht oder mit einfachen Maschinen bearbeitet. Anschließend wird das Heu mit Rechen zusammengetragen und auf traditionelle Weise zu großen Heuballen oder Heustocken aufgeschichtet.


Für uns Fotografen bieten diese Szenen unzählige spannende Motive. Unsere Arbeit führt uns oft in eine Landschaft, die von sanften Hügeln, verstreut liegenden Bauernhöfen und den Gipfeln der Karpaten eingerahmt wird. Die Lichtbedingungen waren schwierig, da die Sonne bereits sehr hoch stand, als wir bei den Bauern ankamen. Da es allerdings auch durch den Wald ging, konnten zu harte Schatten vermieden werden.

Authentische Fotografie statt Inszenierung
Was mich an dieser Region besonders berührt hat, war ihre Ehrlichkeit. Die Menschen arbeiten nicht für die Kamera. Sie spielen keine Rolle und stellen nichts nach. Sie gehen einfach ihrem Alltag nach, so wie sie es vermutlich schon seit Generationen tun.


Gerade dadurch entstehen Bilder, die sich anders anfühlen als viele inszenierte Reisefotos. Nicht glatt, nicht perfekt ausgeleuchtet, nicht arrangiert. Jede Falte im Gesicht, jede Bewegung beim Beladen eines Wagens und jedes Detail der alten Werkzeuge erzählt etwas über das Leben dort.
Dabei geht es mir nicht um romantische Nostalgie. Die Menschen leben nicht in einem Freilichtmuseum. Sie arbeiten hart, verbinden alte Methoden mit heutigen Einflüssen und meistern ihren Alltag unter Bedingungen, die für viele von uns kaum vorstellbar sind.


Natürlich sind solche Bilder nicht perfekt. Sie sollen es auch nicht sein. Denn genau in diesen kleinen Unsauberkeiten, im Staub, im Gegenlicht, in der Bewegung und manchmal auch im Chaos liegt für mich das, was diese Fotografie ausmacht: echtes Leben!
Ein Paradies für dokumentarische Fotografie
Für Fotografen, die sich für Reportage-, Landschafts- oder Dokumentarfotografie interessieren, gehören die Dörfer rund um Măgura zu den spannendsten Regionen Europas. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, traditioneller Landwirtschaft und einer bemerkenswerten Gelassenheit schafft Motive, die in dieser Form selten geworden sind.


Viele der Bilder, die während meines Aufenthalts entstanden sind, zeigen keine spektakulären Ereignisse. Sie dokumentieren vielmehr einfache Momente, die Arbeit auf den Feldern, den Transport des Heus, Begegnungen zwischen Mensch und Tier und den Alltag in einer Region, die sich ihren eigenen Rhythmus bewahrt hat.

Vielleicht liegt genau darin ihre größte fotografische Stärke. In einer Zeit, in der vieles immer schneller wird, erinnern diese Orte daran, dass gute Bilder oft dort entstehen, wo Menschen noch im Einklang mit ihrer Umgebung leben.


Wer bringt einen dorthin?
Solche Dokumentationen entstehen nicht einfach nebenbei. In abgelegenen Regionen wie diesen kommt man mit Englisch oft nicht weit. Es braucht jemanden, der die Gegend kennt, der weiß, wo man sich sicher bewegen kann und der vor allem das Vertrauen der Menschen vor Ort hat.

Für diese Dokumentation habe ich mich deshalb an Vlad Dumitrescu gewendet. Nicht zum ersten Mal: Bereits ein Jahr zuvor hatte ich ihn kontaktiert, damals im Zusammenhang mit meinen Arbeiten an den Kamerahandbüchern zur Fujifilm GFX100RF und später zur Fujifilm X-E5 für den Rheinwerk Verlag.
Wenn ihr selbst solche dokumentarischen Fotoprojekte in Rumänien umsetzen möchtet, kann ich euch Vlad Dumitrescu sehr ans Herz legen. Seine Arbeit findet ihr auf Instagram unter @vladdumitrescu.ro, dort könnt ihr ihn auch kontaktieren.
In einem meiner nächsten Artikel werde ich Vlad und seine Arbeit noch ausführlicher vorstellen.
Wer sich für die dokumentarische Kraft in der Fotografie interessiert, findet in der Reportage Santa Muerte in Tepito: Eine Reportage mit Ricoh GR IV und Fujifilm X-E5 einen weiteren beeindruckenden Einblick in kulturelle Traditionen, fotografiert mit diskreten Kameras.
Ähnlich wie bei der dokumentarischen Arbeit in den Karpaten zeigt der Bildband Dmitrij Leltschuk Hamburg: Momentaufnahmen aus der Elbmetropole, wie sich urbane Realität in authentischen Schwarzweiß-Aufnahmen einfangen lässt.
| Aspekt | Beschreibung | Fotografische Relevanz | Praktischer Hinweis |
|---|---|---|---|
| Standort | Umgebung von Mägura Codlei, rumänische Karpaten | Berglandschaften mit weichem natürlichem Licht und authentischen ländlichen Szenen | Früh morgens ankommen, um das goldene Licht und die bäuerliche Aktivität zu nutzen |
| Hauptmotiv | Bergbauern mit traditionellen landwirtschaftlichen Methoden | Dokumentarische Porträts mit tiefem kulturellen Kontext und ohne künstliche Posen | Erst beobachten, dann auslösen; Vertrauen zu den Personen aufbauen, um natürliche Aufnahmen zu erhalten |
| Fotografiestil | Authentische Dokumentarfotografie ohne Inszenierung | Erfasst die Ehrlichkeit und natürliche Schönheit des ländlichen Alltags | Personen nicht dirigieren; den natürlichen Ablauf der Tätigkeiten dokumentieren |
| Zugang zur Region | Ortskundiger Führer empfohlen, um die ländlichen Gemeinschaften zu erreichen | Geführter Zugang erleichtert die Interaktion mit den Bauern und öffnet Türen zu privaten Szenen | Lokale Veranstalter oder Fotografen der Region kontaktieren, die die Gemeinschaften vorab kennen |
Leitfaden für Dokumentarfotografie · Mägura Codlei, rumänische Karpaten · Fotografie: Jürgen Wolf / fotoklic.de




